Methodik

Wissenschaft hinter deinem PrimeAge-Score

PrimeAge schätzt dein biologisches Alter aus mehreren Wearable-Metriken. Jede Metrik wird gegen alters- und geschlechtsadjustierte Referenzbereiche aus peer-reviewed Studien normalisiert, über eine transparente Gewichtung kombiniert und auf eine Alters-Differenz in Jahren abgebildet. Diese Seite dokumentiert die Entscheidungen — warum wir diese Biomarker, diese Gewichte, diese Cutoffs verwenden.

Was ist biologisches Alter?

Chronologisches Alter ist Zeit seit Geburt. Biologisches Alter versucht zu messen, wie alt dein Körper funktional ist — schneller oder langsamer als der Kalender.

Der Goldstandard sind epigenetische Uhren (GrimAge, DunedinPACE, PhenoAge), die DNA-Methylierung messen — präziser als Wearables, aber teurer und nicht täglich verfügbar. Wearable-basierte Schätzungen wie PrimeAge approximieren den Pace of Aging anhand funktionaler Marker wie VO2max, HRV, Schlaf — die selbst stark mit epigenetischem Alter korrelieren.

Ehrlich zum Limit: Wearable-basiertes biologisches Alter ist ein Trend-Indikator, kein medizinisches Diagnoseinstrument. Es hilft dir, den Effekt deiner Lebensstil-Entscheidungen zu sehen — nicht eine Einzel-Messung zu interpretieren.

Kernquellen zum Konzept

Wie wird dein Score gebildet?

Jede Metrik wird auf eine 0-100-Skala normalisiert, über stückweise lineare Interpolation zwischen 4 Referenzbereichs-Cutoffs (sehr gut / gut / durchschnittlich / niedrig). Cutoffs sind alters- und geschlechtsadjustiert, wo die Evidenz es erlaubt.

categoryScore = sum(metricScore * metricWeight) / sum(metricWeight)

overallScore = sum(categoryScore * categoryWeight) / sum(categoryWeight)

ageDifference = -(overallScore - 50) / 5

biologicalAge = chronologicalAge + ageDifference

Ein Score von 100 verschiebt dein biologisches Alter um 10 Jahre nach unten; ein Score von 0 um 10 Jahre nach oben. Fehlende Daten werden nicht mit 50 aufgefüllt — die Kategorie entfällt und die Gewichte der vorhandenen Kategorien werden proportional hochskaliert. Das verhindert falsche Sicherheit bei dünner Datenlage.

Die Unsicherheit (± Jahre neben deinem Score) wächst mit sinkender Datenvollständigkeit: bei allen Kern-Metriken ~1.2 Jahre, mit nur 2-3 Metriken ~7-8 Jahre.

Gewichts-Übersicht

Sortiert nach Overall-Anteil. Anteil in Kategorie × Kategorie-Gewicht = Overall-Gewicht.

MetrikKategorieIn KategorieKat.-GewichtOverall
VO2max — maximale SauerstoffaufnahmehöchsteFitness45.0%36.0%16.2%
Low-Intensity-Minuten (HF-Zone 2-3)Aktivität40.0%36.0%14.4%
High-Intensity-Minuten (HF-Zone 4-5)Aktivität35.0%36.0%12.6%
SchlafdauerSchlaf40.0%28.0%11.2%
Herzratenvariabilität (HRV)Fitness30.0%36.0%10.8%
Ruheherzfrequenz (RHR)Fitness25.0%36.0%9.0%
Tägliche SchritteAktivität25.0%36.0%9.0%
SchlafregelmässigkeitSchlaf30.0%28.0%8.4%
Schlafqualität (Effizienz + Phasen)Schlaf30.0%28.0%8.4%

Warum diese Kategorie-Gewichte?

  • Fitness (36.0%): Drei Metriken mit sehr starker Mortalitäts-Evidenz (VO2max, HRV, RHR). VO2max gilt laut AHA-Statement 2016 als klinischer Vitalparameter — vergleichbar mit Blutdruck oder Lipiden in Bezug auf prognostischen Wert.
  • Schlaf (28.0%): Drei Sub-Metriken: Schlafdauer (U-förmige Mortalitäts-Assoziation, Cappuccio Sleep 2010), Schlafregelmäßigkeit (Windred Sleep 2024 — stärkster Mortalitätsprädiktor) und Schlafqualität als Phasen-Komposit (Tiefschlaf-Glymphatic-Clearance Iliff 2012, REM-Demenz-Risiko Pase Neurology 2017).
  • Aktivität (36.0%): Drei Sub-Metriken: Schritte (Alltagsbewegung), Low-Intensity in HF-Zone 2-3 (mitochondriale Biogenese, San-Millán Sports Med 2018), High-Intensity in HF-Zone 4-5 (VO2max-Driver, Stamatakis Nat Med 2022 — 4-5 min VILPA = 40% Mortalitäts-Reduktion).

Was wir bewusst NICHT verwenden

Recovery / Readiness Score deines Wearables. Wir sammeln den Wert weiterhin und zeigen ihn dir im Data-Viewer, aber er fließt nicht in den PrimeAge-Score ein. Recovery-Scores von Whoop, Oura, Polar und Garmin sind Meta-Metriken, die intern bereits HRV, Ruhepuls und Schlaf zusammenfassen — alles Signale, die wir schon einzeln gewichten. Doppelt zu zählen würde diese autonomen Erholungs-Signale künstlich überbetonen.

Stress-Score (Garmin Stress Level / Body Battery). Proprietärer Wert mit moderater Validierung, der zudem nur bei einem Provider verfügbar ist. Die zugrundeliegenden HRV-Signale fließen schon über die Fitness-Kategorie ein.

Workout-Minuten (Volumen aller getrackten Workouts). Redundant mit den Low- und High-Intensity-Minuten der Aktivitäts-Kategorie — jede Workout- Minute wird bereits über die HF-Zonen-Splits granular gewichtet. Doppel-Zählung würde bewegungs-affine User künstlich besser stellen.

Trainingsload (Garmin Training Load, Polar Cardio Load). Provider-spezifisch, schwer vergleichbar. Wird als Roh-Daten gespeichert für zukünftige Längsschnitt-Analysen.

Fitness

VO2max — maximale Sauerstoffaufnahme

Evidenz: sehr stark

Gewicht im PrimeAge-Score: 16.2% (45.0% Anteil in Fitness × 36.0% Kategorie-Gewicht)

Was misst es? VO2max ist die maximale Menge Sauerstoff, die dein Körper unter Belastung verarbeiten kann (ml/kg/min). Sie ist der präziseste Einzelmarker für kardiorespiratorische Fitness.

Warum relevant? Hohe VO2max reflektiert ein effizientes Herz-Kreislauf-System, gute Mitochondrienfunktion und eine hohe maximale Herzleistung. Sie ist ein unabhängiger Prädiktor für Gesamt- und kardiovaskuläre Mortalität — stärker als Rauchen, Diabetes oder Bluthochdruck.

Unsere Referenzbereiche: Altersadjustierte Perzentile nach Geschlecht. 40+ ml/kg/min bei Männern über 40 Jahren gilt als überdurchschnittlich; <25 als niedrig.

Schlüsselstudien

Fitness

Herzratenvariabilität (HRV)

Evidenz: sehr stark

Gewicht im PrimeAge-Score: 10.8% (30.0% Anteil in Fitness × 36.0% Kategorie-Gewicht)

Was misst es? HRV misst die Variation zwischen aufeinanderfolgenden Herzschlägen (typischerweise als RMSSD in Millisekunden). Höhere Werte = flexibleres autonomes Nervensystem.

Warum relevant? HRV reflektiert das Gleichgewicht zwischen Sympathikus und Parasympathikus. Niedrige HRV korreliert mit chronischem Stress, Inflammation, schlechter Erholung — und steigert unabhängig das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Gesamt-Mortalität.

Unsere Referenzbereiche: Altersadjustiert (nimmt natürlich mit Alter ab) und geschlechtsadjustiert. Bei 30-39-jährigen Männern: 45+ ms gut, 65+ ms sehr gut.

Schlüsselstudien

Fitness

Ruheherzfrequenz (RHR)

Evidenz: sehr stark

Gewicht im PrimeAge-Score: 9.0% (25.0% Anteil in Fitness × 36.0% Kategorie-Gewicht)

Was misst es? Deine Herzfrequenz in Ruhe, idealerweise nachts oder morgens gemessen. Niedriger = effizientere Herzpumpleistung pro Schlag.

Warum relevant? Eine niedrige RHR spiegelt ein gut trainiertes Herz-Kreislauf-System und einen dominanten parasympathischen Tonus wider. Jeder zusätzliche Schlag/min über dem Durchschnitt ist mit erhöhter Mortalität verbunden.

Unsere Referenzbereiche: Nicht altersadjustiert. <55 bpm sehr gut, 55-65 gut, 65-75 durchschnittlich, >80 bedenklich.

Schlüsselstudien

Schlaf

Schlafdauer

Evidenz: sehr stark

Gewicht im PrimeAge-Score: 11.2% (40.0% Anteil in Schlaf × 28.0% Kategorie-Gewicht)

Was misst es? Gesamtschlafzeit pro Nacht. Wir messen über dein Wearable über mindestens 14 Tage gemittelt.

Warum relevant? Chronischer Schlafmangel (<6 h) und übermäßiger Schlaf (>10 h) sind mit erhöhter Mortalität, Demenz, Diabetes Typ 2 und kardiovaskulären Ereignissen verbunden. U-förmige Assoziation — Sweet-Spot 7-9 h.

Unsere Referenzbereiche: 7-9 h exzellent, 6-7 h oder 9-10 h akzeptabel, <6 h oder >10 h riskant.

Schlüsselstudien

Schlaf

Schlafregelmässigkeit

Evidenz: sehr stark

Gewicht im PrimeAge-Score: 8.4% (30.0% Anteil in Schlaf × 28.0% Kategorie-Gewicht)

Was misst es? Konsistenz von Bedtime und Waketime über die Nächte hinweg. Wir verwenden aktuell den proprietären Sleep-Score deines Wearables (Garmin, Whoop, Oura) als Proxy für Regelmäßigkeit, weil diese Werte stark Bedtime-Konsistenz reflektieren. Echtes Sleep Regularity Index aus tatsächlichen Bedtimes ist für eine spätere Version geplant.

Warum relevant? Regelmäßige Schlafzeiten stärken den zirkadianen Rhythmus; Unregelmäßigkeit stört Hormonzyklen, Glukose-Regulation und DNA-Reparatur. In der UK Biobank korrelierte Sleep Regularity Index stärker mit All-Cause-Mortalität als Schlafdauer allein — ein bemerkenswerter Befund, der die Rolle der circadianen Stabilität untermauert.

Unsere Referenzbereiche: Wearable-Sleep-Score: 90+ sehr gut, 80 gut, 65 Ø, <50 niedrig.

Schlüsselstudien

Schlaf

Schlafqualität (Effizienz + Phasen)

Evidenz: sehr stark

Gewicht im PrimeAge-Score: 8.4% (30.0% Anteil in Schlaf × 28.0% Kategorie-Gewicht)

Was misst es? Komposit aus drei Sub-Werten: Sleep Efficiency (Anteil Bettzeit, der schlafend verbracht wird), Tiefschlaf-Anteil (N3 / Slow-Wave-Sleep) und REM-Anteil. Wir gewichten alle drei gleich.

Warum relevant? Tiefschlaf ist die Phase aktiver Glymphatic-Clearance — Beta-Amyloid und andere Stoffwechsel-Endprodukte werden aus dem Hirn gespült (Iliff 2012). Tiefschlaf-Verlust korreliert mit Hippocampus-Atrophie (Mander 2017). Reduzierte REM-Anteile sind mit höherem Demenzrisiko verbunden (Pase 2017). Sleep Efficiency unter 85% ist ein eigenständiger Mortalitätsprädiktor (Wallace 2018).

Unsere Referenzbereiche: Effizienz: 90%+ sehr gut, 85% gut, 75% Ø, <70% riskant. Tiefschlaf-%: ≥18% sehr gut bei Erwachsenen unter 40 (sinkt mit Alter). REM-%: ≥22% sehr gut, <12% niedrig.

Schlüsselstudien

Aktivität

Low-Intensity-Minuten (HF-Zone 2-3)

Evidenz: sehr stark

Gewicht im PrimeAge-Score: 14.4% (40.0% Anteil in Aktivität × 36.0% Kategorie-Gewicht)

Was misst es? Tägliche Minuten in den Herzfrequenz-Zonen 2 und 3 — entspricht aerober Grundlagenausdauer (60-80% der maximalen HF). Auch als 'Zone 2 Training' bekannt.

Warum relevant? Zone 2 ist der zentrale Stimulus für mitochondriale Biogenese und metabolische Flexibilität — die Fähigkeit der Zelle, zwischen Fett- und Glukose-Verbrennung zu wechseln. Mitochondriale Funktion ist eine der Hallmarks of Aging (López-Otín 2013); ihr Erhalt ist direkt mit Langlebigkeit verbunden. Bereits 30-45 min Zone 2 fünfmal pro Woche zeigen messbare Adaptationen in 8-12 Wochen.

Unsere Referenzbereiche: 10 min Minimum, 20-30 min gut, 45+ min sehr gut.

Schlüsselstudien

Aktivität

Tägliche Schritte

Evidenz: sehr stark

Gewicht im PrimeAge-Score: 9.0% (25.0% Anteil in Aktivität × 36.0% Kategorie-Gewicht)

Was misst es? Gesamtzahl Schritte pro Tag, gemittelt über 7-30 Tage.

Warum relevant? Schritte erfassen ambulante Alltagsaktivität — auch unterhalb der Trainingsschwelle. Das Verhältnis zwischen Schritten und Mortalität ist dosisabhängig, mit deutlich abnehmendem Grenznutzen oberhalb 10.000.

Unsere Referenzbereiche: <5.000: niedrig, 7.500: deutlich besser, 10.000: Ziel, 12.000+ optimal.

Schlüsselstudien

Aktivität

High-Intensity-Minuten (HF-Zone 4-5)

Evidenz: sehr stark

Gewicht im PrimeAge-Score: 12.6% (35.0% Anteil in Aktivität × 36.0% Kategorie-Gewicht)

Was misst es? Tägliche Minuten in den Herzfrequenz-Zonen 4 und 5 — Threshold und anaerobe Belastung (80-100% der maximalen HF). Klassisch durch HIIT (High-Intensity Interval Training) erreicht.

Warum relevant? HIIT ist der direkte und stärkste Stimulus für VO2max-Steigerung. Die HUNT-Studie (Wisløff 2005) zeigte, dass VO2peak via HIIT in Wochen messbar steigt. Stamatakis (Nat Med 2022) demonstrierte: schon 4-5 Minuten täglicher Vigorous Activity ('VILPA') reduzieren Gesamt-Mortalität um ~40% und kardiovaskuläre Mortalität um ~50%. Über die Zeit steigert HIIT auch Insulinsensitivität und kardiale Funktion.

Unsere Referenzbereiche: 2 min Minimum, 6 min Ø, 12 min gut, 20+ min sehr gut.

Schlüsselstudien

Wichtiger Hinweis

PrimeAge ist kein medizinisches Diagnoseinstrument. Der Score ist ein Trend-Indikator für deinen Lebensstil und ersetzt keine ärztliche Untersuchung. Extreme Werte oder plötzliche Änderungen sind ein Anlass für ein Gespräch mit einem Arzt, keine Selbstdiagnose. Wearable-Messungen haben inhärente Ungenauigkeiten — wir dokumentieren Referenzen transparent, damit du unsere Entscheidungen nachvollziehen und kritisch hinterfragen kannst.